Ein Verlag wählt Manuskripte für sein Programm aus. Je nach Vertrag übernimmt er das Lektorat, die Gestaltung, die Herstellung und den Vertrieb. Er kann auch die Finanzierung übernehmen, Nutzungsrechte verwalten und für das Buch werben.
Wie viele Beschäftigte beteiligt sind und welche Aufgaben der Verlag übernimmt, hängt von seiner Größe, seinem Programm und dem Vertrag ab. In kleinen Verlagen kümmert sich eine Person oft um mehrere Aufgaben. In großen Verlagen übernehmen verschiedene Abteilungen diese Arbeit.
Wie ein Verlag Manuskripte auswählt
Ein Verlag prüft, ob ein Manuskript zum eigenen Programm passt. Der Verlag berücksichtigt dabei Thema, Genre und Schreibstil sowie die Frage, welche Leserinnen und Leser das Buch ansprechen soll. Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen eine Rolle. Unabhängige Verlage beziehen nach Angaben der Kurt-Wolff-Stiftung außerdem persönliche und inhaltliche Kriterien in ihre Entscheidungen ein.
Eine Absage sagt deshalb nicht automatisch aus, dass ein Manuskript schlecht geschrieben ist. Es kann sein, dass ein Verlag bereits ähnliche Bücher plant oder das Thema nicht zu seinem Programm passt. Lesen Sie vor einer Einsendung die aktuellen Verlagsvorschauen und prüfen Sie, ob dort vergleichbare Bücher erscheinen.
So reichen Sie ein Manuskript ein
Jeder Verlag legt selbst fest, welche Unterlagen er sehen möchte. Manche Häuser wünschen zunächst ein Exposé, also eine kurze Darstellung des Buchprojekts, und eine Leseprobe. Andere nehmen auch vollständige Manuskripte an. Deshalb unterscheiden sich die Vorgaben zu Seitenzahl, Dateiformat und Rückmeldefrist von Verlag zu Verlag.
dtv und Klett Kinderbuch haben unterschiedliche Vorgaben. dtv bittet um ein Exposé und eine Leseprobe von höchstens 30 Seiten. Für die Prüfung nennt der Verlag eine Frist von bis zu drei Monaten. Klett Kinderbuch nimmt je nach Projekt ein kurzes Exposé, Probeseiten oder ein vollständiges Manuskript an. Das Manuskript soll nicht zu umfangreich sein. Nach eigener Auskunft meldet sich der Verlag nur, wenn er an einer Zusammenarbeit interessiert ist. Diese Vorgaben gelten für die beiden Verlage und nicht für die ganze Branche.
Prüfen Sie vor dem Versand die aktuellen Vorgaben des gewünschten Hauses. Schicken Sie nur die verlangten Unterlagen und stellen Sie Ihr Projekt knapp vor. Wenn ein Verlag eine Frist nennt oder erklärt, dass er nur bei Interesse antwortet, richten Sie Ihre Erwartungen danach.
Was der Verlagsvertrag regelt
Wenn der Verlag das Manuskript annimmt, halten Verlag und Autorin oder Autor schriftlich fest, wer welche Aufgaben übernimmt und welche Nutzungsrechte der Verlag erhält. Nutzungsrechte erlauben dem Verlag, ein Werk in vereinbarten Formen zu veröffentlichen und zu verbreiten. Je nach Vertrag können neben der gedruckten Ausgabe auch Rechte für ein Hörbuch, ein Taschenbuch oder andere Ausgaben dazugehören.
Prüfen Sie deshalb vor der Unterschrift, für welche Formate und Gebiete die Rechte gelten und welche Pflichten, Fristen und Vergütungen der Vertrag vorsieht. Ein Honorar allein sagt wenig darüber aus, ob die Vereinbarung zu Ihrem Projekt passt. Lesen Sie die Klauseln im Zusammenhang. Eine allgemeine Beschreibung von Verlagsverträgen ersetzt nicht die Prüfung Ihres Vertrags.
Wie aus dem Manuskript ein Buch wird
Nach der Vertragsvereinbarung beginnt die Arbeit am Text. Die Lektorinnen und Lektoren prüfen, ob die Argumentation oder Handlung nachvollziehbar ist und die Figuren überzeugend entwickelt sind. Sie legen außerdem fest, welche Stellen ergänzt oder gekürzt werden sollten. Das Korrektorat konzentriert sich stärker auf Rechtschreibung, Grammatik und eine einheitliche Schreibweise. Umfang und Tiefe der Bearbeitung unterscheiden sich je nach Verlag und Buch.
Anschließend entstehen Gestaltung und Buchausstattung. Dazu gehören zum Beispiel Cover, Format und Seitengestaltung. Für die Herstellung werden Papier, Einband und weitere Ausstattungsmerkmale ausgewählt. Viele Verlage drucken nicht selbst, sondern beauftragen dafür eine Druckerei oder Buchbinderei. Text, Gestaltung und Ausstattung müssen zusammenpassen.
Wer die Kosten und das Risiko trägt
Bei einem klassischen Verlagsprojekt entstehen Kosten, bevor Einnahmen aus Verkäufen eingehen. Dazu zählen unter anderem Lektorat, Gestaltung, Herstellung, Druck, Vertrieb und Werbung. Der Verlag finanziert diese Ausgaben zunächst und trägt das wirtschaftliche Risiko. Einnahmen aus Verkäufen sollen die Kosten später decken. Fördermittel können bei bestimmten Büchern oder Verlagen ebenfalls eine Rolle spielen.
Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt vom einzelnen Buch ab. Eine Modellrechnung der Kurt-Wolff-Stiftung betrachtet ein 240-seitiges Hardcover eines unabhängigen Verlags mit einer Auflage von 2.000 Exemplaren und einem Ladenpreis von 24 Euro. Die Rechnung setzt einen durchschnittlichen Handelsrabatt von 45 Prozent an. Diese Werte beschreiben genau dieses Rechenbeispiel; sie sind keine allgemeingültigen Buchkosten oder Gewinnanteile.
Wie das Buch in den Handel kommt
Der Verlag organisiert den Vertrieb, damit Buchhandlungen und Online-Shops das Buch bestellen können. Er lagert und verschickt die Bücher selbst oder beauftragt einen externen Dienstleister damit. Vertreterinnen und Vertreter stellen neue Titel dem Buchhandel vor, damit Buchhandlungen entscheiden können, welche Bücher sie anbieten.
Presse und Marketing kümmern sich beispielsweise um Vorschaukataloge, Werbetexte, Medienkontakte, Beiträge in sozialen Medien und Veranstaltungen. Welche Maßnahmen ein einzelnes Buch erhält, hängt vom Verlag und vom Titel ab. Eine Veröffentlichung im Verlag bedeutet daher nicht automatisch eine bestimmte Werbepräsenz oder Verkaufszahl.
Verlag oder Selbstveröffentlichung?
Bei einem Verlag übernimmt das Haus einen Teil der organisatorischen und finanziellen Aufgaben. Autorinnen und Autoren arbeiten mit Lektorat und Gestaltung zusammen und erhalten Zugang zu den Vertriebswegen des Verlags. Welche Unterstützung ein einzelner Titel bekommt, ist jedoch unterschiedlich.
Bei einer Selbstveröffentlichung entscheiden Autorinnen und Autoren selbst über Gestaltung, Bearbeitung, Herstellung und Werbung. Sie können dafür auch Dienstleister beauftragen. In beiden Fällen tragen sie mehr Verantwortung für die einzelnen Schritte. Einnahmen, Aufwand und Reichweite lassen sich für beide Wege nicht pauschal vergleichen. Sie hängen vom Buch und den vereinbarten Leistungen ab, ebenso von den tatsächlichen Verkäufen.
Vergleichen Sie deshalb, welche Aufgaben der Verlag übernimmt und welche bei Ihnen bleiben. Fragen Sie bei einem Verlagsangebot nach den vorgesehenen Leistungen und den übertragenen Rechten. Bei einer Selbstveröffentlichung sollten Sie klären, welche Arbeiten Sie selbst übernehmen und welche Kosten dafür anfallen.